| 3. |
Glaubenslehre |
 |
 |
| |
|
| |
3.1. Islamische Glaubenslehre 3.2.
Die fünf Säulen des Islam |
| |
|
| 3.1. |
Zur islamischen Glaubenslehre
In der islamischen Glaubenslehre sind
sechs Glaubensartikel enthalten. Diese sind:
| 1. |
Der Glaube an Gott |
| 2. |
Der Glaube an die Engel |
| 3. |
Der Glaube an die von Gott
offenbarten Schriften |
| 4. |
Der Glaube an die Gesandten
Gottes |
| 5. |
Der Glaube an den Jüngsten
Tag |
| 6. |
Der Glaube an alQadar (Schicksal) |

"Es gibt keine Gottheit, außer (den
einen) Gott"
|
1. |
Der Glaube (arab. Iman ) an die Einheit
und Einzigkeit Gottes stellt das Axiom für alle
anderen Glaubensinhalte dar. Im Koran lesen wir: "Ihr
Gläubigen! Glaubt an Gott und Seinen Gesandten
und die Schrift, die er auf Seinen Gesandten herabgesandt
hat, und an die Schrift, die er früher herabgesandt
hat! Wer an Gott, Seine Engel, Seine Schriften, Seine
Gesandten und den Jüngsten Tag nicht glaubt, ist
weit abgeirrt." (4:136)

|
2. |
Muslime glauben an die Existenz von
Engeln, die im Koran sowie in der Sunna erwähnt
werden. Z.B. gilt der Erzengel Gabriel als Überbringer
der Offenbarungen Gottes an die Gesandten.

|
3. |
Ebenso glauben Muslime an alle offenbarten
Schriften Gottes an die Gesandten (also auch die Thora
und das Evangelium), die diese zu verschiedenen Zeiten
an verschiedenen Orten erhalten haben. Der Glaube an
den Koran beinhaltet, dass der Koran die abschließende
Offenbarung Gottes ist, nach der bis zum Jüngsten
Gericht keine weitere mehr folgen wird.

|
4. |
Muslime glauben an alle Gesandten Gottes
sowie an alle Aussagen, die im Koran und in der Sunna
über sie enthalten sind. So wie der Koran die letzte
Offenbarung Gottes darstellt, gilt auch der Prophet
Muhammad als das Siegel der Propheten, nach
dem keiner mehr folgen wird.

|
5. |
Der Glaube an den Jüngsten Tag
beinhaltet den Glauben an die Auferstehung, das Jüngste
Gericht, das Paradies und die Hölle und an alle
Aussagen, die in Koran und Sunna darüber enthalten
sind.

|
6. |
Der Glaube an die Vorhersehung beinhaltet
Gottes Vorauswissen über alles Zukünftige
und dessen Verwirklichung bei gleichzeitiger Willens
und Handlungsfreiheit des Menschen. Damit ist kein Fatalismus
gemeint.

|
| |
In einem Hadith des Propheten heißt
es: Islam ist, dass du bezeugst, dass es keine
Gottheit außer (den einen) Gott gibt, und das
Muhammad der Gesandte Gottes ist; und dass du das Gebet
verrichtest, die Zakat entrichtest, im Ramadan fastest
und zum Haus (Gottes) pilgerst... Und Iman ist, dass
du den Glauben an Gott, an Seine Engel, an Seine Schriften,
an Seine Gesandten und an den Jüngsten Tag verinnerlichst,
und das du den Glauben an alQadar sein Gutes und sein
Schlechtes verinnerlichst.
8. Zur islamischen Pflichtenlehre
Für die Erfüllung der von Gott
aufgetragenen Pflichten gilt der Grundsatz, dass alles
erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist.
Gott erlegt den Menschen nichts auf, was sie nicht zu
tragen vermögen . Außerdem müssen zur
Erfüllung der Pflichten, Bedingungen erfüllt
werden. Wenn diese nicht erfüllt werden können,
haben die Muslime die Möglichkeit, Ausnahmeregelungen
zu befolgen. Dies haben die Muslime der flexiblen islamischen
Rechtswissenschaft (fiqh) zu verdanken, in der die wichtigsten
Grundlagen für das Leben der Muslime, bereits seit
dem 8. Jh. geklärt wurden (siehe im Anhang die
Tabelle zu den verschiedenen Rechtsschulen).
|
| |
|
| 3.2. |
Die Fünf Säulen des
Islam
Jeder, der sich mit dem Islam beschäftigt
hat, hat sicherlich von den Fünf Säulen
des Islam gehört:
|
| 1. |
Zum
Glaubenszeugnis:
"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit
gibt außer (den einen) Gott und ich bezeuge, dass
Muhammad sein Diener und Gesandter ist".
Ein wahrer Gläubiger ist jemand,
der dies sowohl mit seiner Zunge bezeugt, als auch mit
seinem Herzen und seinen Taten bestätigt. Unter
Zwang darf und kann niemand Muslim werden.
Das arabische Wort "ašhadu"
bedeutet: "Ich bezeuge!" und leitet sich ab
von der Wortwurzel "šahida" ("Zeuge
zu sein, anwesend sein"); "šahada"
("Zeugnis ablegen, eine Zeugenaussage machen");
und schließlich im III. Stamm "šahada"
("sehen, beobachten"). Dass heißt also,
dass ein Muslim weiß, woran er glaubt und was
er bezeugt. Der Glaube findet hier also nicht als "Spekulation"
oder "Vermutung", sondern als ein bewusster
Vorgang statt.

|
2. |
Zum
Gebet:
Laut Koran und Sunna ist es für alle
volljährigen und geistig gesunden Muslime Pflicht,
fünfmal täglich zu beten. Dabei werden die
Gebetszeiten eingeteilt in "Gebet der Morgendämmerung,
Mittagsgebet, Nachmittagsgebet, Abendgebet und Nachtgebet".
"Und verrichtet das Gebet, gebt die
Zakat und nehmt (beim Gottesdienst) an der Verneigung
teil!" (2:43)
"Ich bin Gott. Es gibt keinen Gott
außer mir. Darum diene mir und verrichte, meiner
(in Ehrfurcht) gedenkend, das Gebet!" (20:14)
Alle Gebete finden in arabischer Sprache
statt. Außer diesem rituellen Gebet gibt es auch
im Islam das Bittgebet , das jeder in seiner jeweiligen
Muttersprache machen kann .
Zur Bedeutung des Gebets sagt der Prophet,
dass es der Stützpfeiler der Religion ist. Wer
immer es einhält, hält seine Religion aufrecht,
und wer immer es nachlässt, lässt seine Religion
einstürzen.
Es besteht jederzeit die Möglichkeit,
einem solchen Gebet in einer Moschee vor Ort zuzusehen
und den Muslimen direkt Fragen dazu zu stellen. Das
Gebet beinhaltet Danksagungen und Lobpreisungen und
dient dazu, zu allen Tageszeiten mit unserem Schöpfer
und Erhalter in Kontakt zu treten.

|
3. |
Zum
Fasten im Monat Ramadan:
Die Grundeinheit des islamischen Jahres
ist ein "Mondjahr". Es besteht aus zwölf
Monaten mit abwechselnd 30 und 29 Tagen. Die Dauer eines
Mondjahres beträgt ca. 354 Tage. Der islamische
Kalender beginnt mit dem 16. Juli des "Sonnenjahres"
622 n. Chr., dem Jahr der Auswanderung (Hicra) der Muslime
von Mekka nach Medina.
Die Namen der zwölf Monate lauten:
1. al-MuHarram (30)
2. Safar (29)
3. Rabi al-Awwal (30)
4. Rabi al-Ahira (29)
5. Cumada al-Awwal (30)
6. Cumada al-Ahira (29)
7. Racab (30)
8. Schaban (29)
9. RamaDan (30)
10. Schawwal (29)
11. sulQa'da (30)
12. sulHacca (29 und 30 Tage in Schaltjahren)
In Sure 2:183-185 heißt es: 183
"O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben,
so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren.
Vielleicht werdet ihr (Gott gegenüber) ehrfürchtig
sein. 184 Es sind nur abgezählte Tage. Und wer
von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet,
soll eine Anzahl anderer Tage (fasten). Und denen, die
es mit großer Mühe ertragen können,
ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und
wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für
ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch,
wenn ihr es (nur) wüsstet! 185 Der Monat Ramadan
ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die
Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis
der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also in
dem Monat zugegen ist von euch, der soll in ihm fasten...Gott
will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen,
damit ihr die Frist vollendet und Gott rühmt, dass
Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar
sein."
Alle erwachsenen und gesunden Muslime
müssen von Beginn der Morgendämmerung bis
Sonnenuntergang fasten. Ausgenommen sind jene, die an
Altersschwäche leiden, krank sind oder Reisende
sowie schwangere und stillende Frauen, Wöchnerinnen
und Frauen, die ihre Monatsperiode haben. Diese sind
zur Erleichterung von der Fastenpflicht befreit, sollen
dies jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
Das deutsche Wort "Fasten" trifft
nicht genau auf das zu, was mit "Saum" gemeint
ist. Der arabische Begriff meint vielmehr eine Enthaltsamkeit,
wobei der Verzicht auf Speisen und Getränke nicht
das Ziel, sondern vielmehr das Mittel zum Zweck ist.
Man soll in dieser Zeit seinen eigenen Körper kennen
lernen und auch lernen Mitgefühl mit denjenigen
zu empfinden, die wirklichen Hunger leiden. Außerdem
lernt man was Ausdauer, Selbstbeherrschung, Enthaltsamkeit,
Genügsamkeit und Geduld ist.
Am Ende des Monats findet das "Fest
des Fastenbrechens" statt. Die beiden Hauptfeste
des Jahres sind a) das Opferfest, auch als "das
große Fest" bezeichnet und b) das Fest des
Fastenbrechens auch als "das kleine Fest"
bezeichnet . Bezeichnung "Seker Bayrami" (gesprochen
"Scheker Bairame") ist nur unter türkischen
Muslimen bekannt. Bosnische Muslime sprechen vom "Ramazan
bayrami". Ramazan mit "z" geschrieben
und gesprochen, anstatt mit "d", kommt aus
dem Persischen. Genauso wie der Begriff "Bayram"
aus dem Persischen kommt.
>>> Mehr
Info zum Fasten im Ramadan

|
4. |
Zur
Zakat:
Zakat ist die jährliche soziale Pflichtabgabe
der Wohlhabenden an die Bedürftigen: "...Und
die Spenden sind nur für die Armen und die Bedürftigen,
(ferner für) diejenigen, die damit zu tun haben,
diejenigen, deren Herzen gewonnen werden sollen, für
den Loskauf von Sklaven, für die, die verschuldet
sind, für die Sache Gottes und für den, der
Unterwegs ist: eine Vorschrift von Gott. Gott weiß
Bescheid und ist weise." (9:58-60)
Die Summe, von der Zakat gegeben wird, beträgt
2,5% des jährlichen "Überschusses".
Man unterscheidet bei der Zakat zwischen den äußeren
Gütern (Feldfrüchten, Früchten und Vieh)
und den inneren Gütern (Edelmetalle wie Gold und
Silber und Kaufmannsware): Dies sind die Vermögensbestandteile
aus denen die Zakat bezahlt wird. Die äußeren
Güter sind sofort nach der Ernte zu bezahlen und
die inneren Güter nachdem sie ununterbrochen in
einjährigem Besitz liegengeblieben sind. Zakat
wird häufig fälschlicherweise als "Almosen"
bezeichnet.
Es gibt zwar keine Institution, die den
Zahlungsprozess kontrolliert, da jeder selbst für
die Berechnung der Summe seiner Pflichtabgabe verantwortlich
ist. Nicht selten wird die Zakat an Moscheen übergeben,
die diese dann an die Bedürftigen weiterleiten.
Der eigentliche Gedanke, der hier zugrunde liegt, ist
der, dass im Grunde alles was der Mensch besitzt, ein
ihm von Gott anvertrautes Gut ist und der Mensch sich
nur soviel davon nehmen darf, wie viel er zum Leben
braucht. Der Prophet bezeichnet deswegen "Genügsamkeit"
als den wahren Reichtum. Den Überschuss sollen
die Wohlhabenden zur Herstellung der sozialen Gerechtigkeit
abgeben um sich von den "Schulden" den Bedürftigen
gegenüber zu "reinigen". Das Wort Zakat
trägt unter anderem auch die Bedeutung von "Gerechtigkeit"
und "Reinheit".

|
5.
|
Zur
Hacc
Stadt Mekka und in ihr die Kaaba (arab.
für "Würfel") symbolisieren das
Herz der muslimischen Welt. Die Kaaba gilt als das erste
Gotteshaus (Moschee), das je erbaut wurde: "...Das
erste (Gottes)haus, das den Menschen aufgestellt worden
ist, ist dasjenige in Makka (d.h. Mekka), zum Segen
und zur Rechtleitung für die Menschen in aller
Welt." (3:95-96).
Im 8. Jahr nach der Hicra (630 n.Chr.)
wurde Mekka kampflos zurückerobert und der Prophet
beseitigte alle in der Kaaba befindlichen (insgesamt
360) Götzen.
Die Pilgerfahrt wurde im 9. Jahr der Hicra allen Muslimen
einmal im Leben zur Pflicht gemacht: "Die Pilgerfahrt
findet in den bekannten Monaten statt . Und wenn jemand
in ihnen die Pilgerfahrt auf sich nimmt (tritt in den
Weihezustand ein:) Während der Pilgerfahrt keine
sinnliche Begierde, keinen Frevel noch irgendein Streit.
Was ihr an Gutem tut, Gott weiß es. Und verseht
euch mit der Zehrung; aber wahrlich, die beste Zehrung
ist Rechtschaffenheit. Fürchtet Mich, die ihr Verstand
habt!"(2:197)
Sie ist Pflicht
für die,
- die volljährig sind;
- die (sowohl geistig, als auch
körperlich) gesund sind;
- die frei sind;
- die über genügend
eigene Mittel verfügen, keine Schulden haben
- und die, deren Existenz nicht
bedroht ist.
Während der Hacc kommen jährlich
mehr als 2 Mio. Muslime an einem Ort zusammen, so dass
dieses Ereignis, das größte aller gemeinschaftlichen
Ereignisse im Leben eines Muslims ist.
Während der Hacc, die mehrere Wochen
dauern kann, muss man folgende Dinge erfüllen:
a) Äußerung des Wunsches die
Hacc durchführen zu wollen;
b) vor dem Betreten der heiligen Stätten, körperliche
Reinigung und das Anlegen der IhramKleidung, die meist
aus zwei weißen Stoffteilen besteht;
c) die siebenmalige Umkreisung der heiligen Moschee
(Kaaba) gegen den Uhrzeigersinn ;
d) Wanderung nach Mina, um (symbolisch) den kleinen,
mittleren und großen Satan zu steinigen;
e) beten und rasten am Arafat-Hügel (29 km südöstl.
von Mekka), am 9. sul Hacca, wo sich laut Überlieferung
Adam und Eva wiederfanden;
f) die Wanderung (14 mal) zwischen den Orten Safa und
Marwa;
g) das Schlachten von Opfertieren und vieles andere
mehr.
In einer Überlieferung heißt
es: "Wer die Hacc ohne böse Taten durchführt,
wird zurückkommen wie ein neugeborenes Kind".
D.h., dass die Hacc uns von unseren Sünden reinwäscht.
In einer anderen Überlieferung heißt es:
"...Es gibt keine andere Belohnung für eine
(von Gott) angenommene Hacc, als das Paradies".
Der Prophet bezeichnet die Hacc sogar als den wertvollsten
Cihad: "Der wertvollste Cihad ist eine Hacc, die
von Gott angenommen wird."
Auf diesen oben genannten fünf Säulen ist
der Islam aufgebaut und dies sind die wichtigsten Pflichten,
die alle volljährigen und geistig gesunden Muslime
erfüllen müssen.
In der Pflichtenlehre unterscheidet man
jedoch zwischen zwei Pflichtebenen: Die eine Ebene ist
die zwischen Gott und den Menschen (ibadat), zu denen
die "fünf Säulen" gehören,
und die andere ist die der zwischenmenschlichen Beziehungen.
Diese werden aber nicht voneinander getrennt, auch wenn
sie unterschieden werden.

Dazu ein Beispiel:
Wie unter "Zakat" zu lesen ist, haben wohlhabende
Muslime die Pflicht von ihrem Vermögen an Bedürftige
abzugeben, weil diese ein Anrecht auf den Gütern
der Wohlhabenden haben, weswegen es für diese eine
"Pflicht" ist, etwas davon abzugeben. Indem
der Wohlhabende etwas abgibt, erfüllt er nicht
nur den Menschen gegenüber seine Pflicht wodurch
ein soziales Gleichgewicht in der Gesellschaft erreicht
werden soll er erfüllt sie auch Gott gegenüber,
so dass er entweder im irdischen oder im jenseitigem
Leben, seinen Lohn dafür erwarten kann.
Man muss wissen, dass alles was im Islam eine Pflicht
ist, zugleich auch ein Recht ist (s.o. unter Din). Denn
das arabische Wort für "Recht" (Haqq)
bedeutet auch zugleich "Pflicht": Ein Kind
hat das Recht auf Pflege, Ernährung und religiöse
Unterweisung durch seine Eltern. Und andersherum haben
die Eltern die Pflicht ihre Kinder zu pflegen, zu ernähren
und sie in ihrer Religion zu unterweisen. Deswegen wird
von Muslimen zu den Menschenrechten auch die Pflichten
der Menschen gefordert. |
|