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04.01.2009

Pressemitteilung der Schura-Bremen
anlässlich des Friedensmarsches am 03.01.2009

Großer Ansturm beim Friedensmarsch
Bremer Muslime


Über 7.000 Bremer fordern sofortige Beendigung der israelischen Angriffe und des Embargos in Gaza

Bremen erlebte den größten Friedensmarsch und Friedenskundgebung seit Jahren. Am Sonnabend demonstrierten in der Hansestadt Bremen über 7.000 Menschen gegen das israelische Massaker an das palästinensische Volk am Gaza-Streifen.

Die SCHURA islamische Religionsgemeinschaft Bremen, die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs Regionalverband Bremen, der Türkische Elternverein, das Bremer Friedensforum und weitere Bremer Zivilorganisationen hatten zur Teilnahme an dem vom "Verein für Betreuung der Libanesen" organisierten Friedensmarsch und Friedenskundgebung gegen das Massaker des israelischen Staates am palästinensischen Volk aufgerufen.

Tausende Bremer Muslime versammelten sich vor dem Hauptbahnhof. Gegen 14:00 Uhr war der Platz überfüllt, so dass bereits kurz vor 14:30 Uhr die Demonstranten vom Bahnhofsvorplatz zur Abschlusskundgebung am Marktplatz aufbrachen. Die Route war über mehrere Kilometer dicht. Auf den Plakaten, die die Demonstranten bei sich trugen, waren unter anderem Slogans wie "Frieden in Gaza", "Stoppt das Massaker in Palästina" und "Gaza, das größte Freiluftgefängnis der Welt" zu lesen.

Der Friedensmarsch durch die anschließende Kundgebung auf dem Marktplatz mit Beiträgen in deutscher, türkischer und arabischer Sprache beendet.

In seiner arabisch geführten Begrüßungsrede sagte Dr. Hussein Bekdach (Voritz. d. Verein zur Betreuung der Libanesen e.V.), dass durch die Bombardierung von Häusern, Schulen, Moscheen und Universitäten mehr als 450 Zivilisten, darunter viele Kinder und Frauen getötet und über 2500 verletzt sind. Durch die Blockade und den andauernden  Boykott sei die Grundversorgung nicht mehr gewährleistet. Nun habe Israel in Gaza auch die Strom- und Wasserversorgung zerstört. Über 11.000 Palästinenser würden immer noch ohne Gerichtsverhandlung in israelischen Gefängnissen festgehalten. Er forderte die Weltgemeinschaft auf endlich Gerechtigkeit walten zu lassen und Druck auf Israel aufzubauen, damit es sich an die UN-Resolutionen hält.

Zakariya Masoud, der für die palästinensische Gemeinschaft in Bremen sprach, forderte die internationale Gemeinschaft auf einzuschreiten und die israelischen Aggressionen im Gaza-Streifen unverzüglich zu beenden. Es handle sich nicht um ein "legitimes Selbstverteidigungsrecht" zum Schutze der Bevölkerung und zur Bekämpfung des Terrorismus, sondern um ein grauenvolles und blutiges Massaker an dem hilflosen palästinensischen Volk.

Auch Mehmet Kilinc von der SCHURA-Bremen betonte, dass die Bombenangriffe der israelischen Armee ein Akt des Staatsterrors sind und einzig darauf zielen, die palästinensische Bevölkerung zu dezimieren und den palästinensischen Widerstand zu zerstören. Die israelische Regierung müsse endlich begreifen, dass die Besatzungspolitik mit Gewalt, Entsagung der Grundversorgung, Erniedrigung und Demütigung eines ganzen Volkes nur Rache, Vergeltung und unkalkulierbare Gewaltexzesse hervorrufen wird. Er forderte beide Kriegsparteien dazu auf wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Es werde in Gaza keine militärische Lösung geben. Weiterhin forderte Herr Kilinc die Bundesregierung und die Bundeskanzlerin, Frau Merkel auf, die aggressive und menschen-verachtende Politik Israels zu verurteilen. Er sagte "Frau Merkel, Sie sind nicht die Bundeskanzlerin des Staates Israels, sondern unsere Bundeskanzlerin. Auch die Palästinenser haben ein Recht in Würde und Frieden in ihrer Heimat Palästina zu leben."

Im Anschluss an die Lebensgeschichte eines palästinensischen Mädchens, die von der zwölfjährigen Merve Nur Kilinc vorgetragen wurde, kam Ömer Bektas von der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs Regionalverband Bremen zu Wort. In seiner emotional geladenen Rede führte er aus, dass es kein Krieg, sondern eine menschliche Tragödie, ein Massaker, ein grauenvoller und menschenverachtender Völkermord  an dem palästinensischen Volk sei und forderte die UNO und die Weltöffentlichkeit sowie die Regierungen der islamischen Länder auf, nicht stillschweigend und tatenlos zuzuschauen. Er sagte "Bis es einen unabhängigen palästinensischen Staat gibt, sind wir alle Palästinenser… Die in Palästina sterbende Mutter ist meine Mutter!... Die unschuldigen Kinder, die in Palästina sterben, sind meine Kinder! Palästina gehört uns und wir sind alle Palästinenser. Palästina wird es ewig geben und niemand wird Palästina von der Landkarte löschen... Es sind unsere Städte, die zerstört werden. Es sind unsere Menschen, die verbrannt und getötet werden. Hört endlich auf, auf unserem Territorium die Terroristen zu suchen. Wir verachten Folter und Gewalt, wir verlangen Gerechtigkeit und Gleichberechtigung und wollen keine Menschen zweiter Klasse sein. Seit zumindest den eigenen Werten treu, die ihr selbst für die Menschheit errungen habt. Kehr die grundlegenden Menschenrechte nicht unter den Tisch, eines Tages könnt auch ihr in die Situation kommen, in der auf diese Rechte angewiesen werdet."

Mit einem Bittgebet des Imams Bilal Güney wurde die Kundgebung gegen 16:15 Uhr aufgelöst. Wie der Marsch vom Bahnhof zum Marktplatz, verliefen auch die Kundgebung und die Auflösung sehr diszipliniert und friedlich, ohne jegliche Ausschreitung.

Die Organisatoren teilten mit, dass diese Demonstration nur der Auftakt für weitere Aktionen und eine engere Zusammenarbeit der islamischen Organisationen in Bremen sei. Die Demonstrationen und die Solidarität mit dem palästinensischen Volk würden auch in Zukunft fortgesetzt. Sie sprachen sich gegen das Massaker und forderten die sofortige Beendigung der Blockade und die Gewährleistung der Grundversorgung für die Menschen in Gaza. Das Ausmaß der israelischen Aggressionen sei selbst in Israel, wenn auch in kleinen Massen, auf Widerstand gestoßen. So habe es Gideon Levy in der israelischen Tageszeitung Haaretz, wie folgt auf den Punkt gebracht:

"Wir haben begonnen. Wir haben mit der Besatzung begonnen, und wir sind verpflichtet, sie zu beenden, und zwar wirklich und vollständig. Wir begannen mit der Gewalt. Es gibt keine schlimmere Gewalt als die des Besatzers, der Gewalt gegen ein ganzes Volk anwendet. Deshalb ist die Frage, wer zuerst schoss, eine Ausrede, um das tatsächliche Bild zu verzerren. Auch nach Oslo gab es Leute, die behaupteten, "wir hätten die Gebiete verlassen"- es war ein ähnliches Gemisch von Blindheit und Lügen."  Die Tatsache, dass dieser Zitat aus einem Artikel stammt, der 2006 veröffentlich wurde spiele hier keine Rolle, da die Lage unverändert geblieben sei.

Die Muslime in Bremen sind sich der Tatsache bewusst, dass es nicht nur bei dieser Aktion bleiben darf, und jede humanitäre Hilfe für die Palästinensern benötigt wird. Weitere Aktionen mit dem Ziel, diese Ungerechtigkeiten im Bewusstsein der Menschen zu halten, sind in Planung.

Die Veranstalter:
- Verein zur Betreuung der Libanesen e.V.
- SCHURA - Islamische Religionsgemeinschaft Bremen e.V.
- IGMG Regionalverband Bremen
- Palästinensische Gemeinschaft in Bremen
- ATIB Bremen
- Türkischer Elternverein in Bremen e.V.
- Friedensforum Bremen
- Ein breites Bündnis Bremer Zivilorganisationen

Foto: Weser-Kurier/Koch

 
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