| 25.10.2005
YaHu veröffentlicht Debütalbum
"Licht über Licht".
Bremen.
Vor wenigen Wochen wurden sie als Deutschlands erste muslimische
Pop-Gruppe präsentiert. Seitdem wird viel über die
beiden Bremer Muslime diskutiert. Doch jetzt lenkt sich die
Aufmerksamkeit auf ihre Musik. Denn seit Montag (24. Oktober)
kann man ihr Debüt-Album "Licht über Licht"
kaufen.
Beide haben eine sehr bewegte Biographie. Als
Jugendliche in ghetto-ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen,
fanden sie sich in kriminellen und gewaltbereiten Jugendgangs
wieder. Doch bald erkannten sie, dass das Leben für sie
so keine Zukunft hat und "kehrten dem Dreck der Straße
den Rücken", wie sie es selber sagen. "Damals
gingen wir Dingen hinterher, die uns nur Schaden brachten",
erinnert sich Said. Der Song "Yasmin" erzählt
von dieser Zeit.
"Yasmin" ist ein Mädchen, das reich und berühmt
werden will und sich in dieser Welt verliert. Dafür trennt
sie sich von allem, was ihr eigentlich lieb und wichtig ist.
"Wir haben unsere Erlebnisse auf "Yasmin" projiziert,
sie spiegelt unsere innere Zerrissenheit von damals wieder",
sagt Ebabil. Das Lied hat allerdings ein tragisches Ende.
Warum eigentlich, beide - Said und Ebabil - haben es doch
am Ende geschafft? "Ja, aber leider sind wir die Ausnahme.
Nur die wenigsten schaffen es, diesem Teufelskreis zu entfliehen",
antwortet Ebabil. Einer seiner damaligen Freunde starb an
Drogen. Deshalb soll "Yasmin" davor warnen, leichtsinnig
mit dem eigenen Leben um zu gehen. "Wir wollen, dass
die Jugendlichen ihre Zukunft in die eigene Hand nehmen und
erkennen, wie wichtig dabei beispielsweise die Schule ist".
Aber auch die anderen Stücke aus dem Album
haben alle eine "eigene Geschichte". Teilweise sind
sie sehr persönlich, so dass die beiden manchmal überlegen
mussten, ob sie den Song überhaupt veröffentlichen.
Das Stück "crying words" beispielsweise, wurde
für Said`s jüngere Schwester geschrieben, die mit
16 Jahren erschossen wurde. "Mit diesem sehr persönlichen
Song habe ich versucht, dieses tragische Ereignis zu verarbeiten.
Ich wollte einfach meine Trauer und Wut rauslassen und meiner
innerlichen Zerrissenheit Ausdruck verleihen", erklärt
Said.
Mit eher gesellschaftspolitischen Themen befassen
sich dagegen Stücke wie "Flucht nach Babylon",
"Dieses Lied" oder "Die weiße Rose".
Das letztgenannte hat seinen Namen von der Widerstandsbewegung
einer kleinen Gruppe von jungen Menschen, die sich gegen das
faschistische Naziregime eingesetzt haben. Also ein Aufruf,
um Rassismus und dessen Gedankengut zu bekämpfen? "Ja,
aber dabei geht es uns nicht nur um den geschichtlichen Aspekt",
sagt Ebabil. "Die Menschen sollen ihre Augen öffnen.
Denn Rassismus bedeutet auch, sich selbst als "überlegen"
zu betrachten und andere abwertend zu behandeln. Wenn wir
Menschen aus Habgier die Umwelt ausbeuten und damit das Leben
vieler Tierarten vernichten, nur weil wir glauben, dass wir
mächtiger sind als sie, dann ist auch hier diese Geisteshaltung
des "überlegenseins" am Werk." "Oder",
ergänzt Said, "wenn ein mächtiges Land ein
anderes bekriegt und ausbeutet, nur weil es schwächer
ist, kann man das ethisch nicht akzeptieren."
Das Album bietet also sehr viel Diskussionsstoff.
"Wir machen keine "Party-Musik", davon gibt
es genug. Uns ist die Message sehr wichtig. Deshalb heißt
unser Konzept: cooler Beat mit tiefen Lyrics".
Weitere Informationen und Bestellung: www.ya-hu.de |